"Schulen für sozialen Aufstieg ertüchtigen"

Veröffentlicht am 06.08.2010 in MdB und MdL

Peter Hofelich fordert eine bessere Unterrichtsversorgung für Berufsschulen.

Neue Württembergische Zeitung

Kreis Göppingen. Eine bessere Unterrichtsversorgung an Berufsschulen forderte Landtagsabgeordneter Peter Hofelich (SPD), der zum achten Schulgespräch geladen hatte.

Geburtenrückgang, private Anbieter und eine unzeitgemäße Schulpolitik des Landes setzen unsere beruflichen Schulen zunehmend unter Druck. Gleichwohl: "Wir sind stolz, was bei uns im Kreis Göppingen geleistet wird und brauchen jetzt für unsere Berufsschulen bessere Unterrichtsversorgung, einen schlüssigeren Übergang von den allgemein bildenden Schulen, genügend Plätze an den beruflichen Gymnasien und flankierende Angebote, insbesondere Schulsozialarbeit", zog der Göppinger SPD-Landtagsabgeordnete Fazit des jüngsten Schulgesprächs.

Schon lange hatte es sich die Runde aus Schulpraktikern, Kommunalpolitikern und Landespolitik vorgenommen, sich der Situation an unseren beruflichen Schulen zu-zuwenden. Helmut Kraus, Lehrer an der Kaufmännischen Schule und Personalrat, erklärte eingangs: Das Duale System sei international ein "Erfolgsmodell". Die Zusammenarbeit mit den Kammern könne noch verbessert werden. Der Weg vom Berufskolleg über die Fachhochschulreife und den Wirtschaftsassistenten eröffne manchen mit mittlerem Abschluss einen guten Weg zur Berufsausbildung oder zum FH-Studium. Eine sinnvolle Erweiterung des Bildungsangebots in Bezug auf Durchlässigkeit würde die Einrichtung einer Wirtschaftsoberschule in Göppingen darstellen.

Kraus klagte, dass bei den Vertretungslehrern Mangel herrsche, deshalb müssten die Lehrer Unterrichtsdefizite durch Überstunden ausgleichen. Die Verkürzung der Referendarausbildung für Lehrer an beruflichen Schulen sei eine "Katastrophe". AGs im Sinne einer Ganztagesschule zur Erlangung von sozialen Kompetenzen, Sprach-, Schreib- und Rechenfähigkeit wären bei Schultypen wie dem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) notwendig.

In der anschließenden Diskussion schälten sich drei Herausforderungen heraus. Erstens der Übergang von der neuen Werkrealschule (WRS) in die beruflichen Schulen. "Alles völlig offen", kommentierte GEW-Vorstand Holger Kissling die Situation. Heidrun Schellong, Berufsschullehrerin und Stadträtin, meinte: "Die Werkrealschule bedeutet für die zweijährige Berufsfachschule den Bankrott." Sie befürchte, "dass die Berufsfachschule stirbt". Hintergrund ist, dass die Werkrealschule in den letzten Schuljahren zwei Tage pro Woche Aufenthalt an der Berufsschule vorsieht und hier eine ungesunde Konkurrenz entstehe. Zudem bleibt die Befürchtung, dass die Absolventen der WRS den Sprung etwa zum Berufskolleg nicht schaffen und dann im Berufsschulsystem an die jeweils tiefere Schulart "durchgereicht" werden.

 

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