Schülertickets auf dem Prüfstand

Veröffentlicht am 20.11.2012 in Kreistagsfraktion

SÜDWEST PRESSE | DANIEL GRUPP | 20.11.2012

Der Landkreis möchte die Förderung der Fahrkarten für Schüler neu ordnen, da sich das Schulsystem stark verändert. Dazu gibt es mehrere Modelle, alle führen zu Vor- und Nachteilen, je nach besuchter Schulart.

Gemeinschaftsschulen, Werkrealschulen, Gymnasien, Real-, Förder- und Berufsschulen - die Landschaft der weiterführenden Schulen im Kreis ist vielfältig und unterliegt einem starken Wandel, zumal manche Schulen ein eigenes Profil haben, das sie von anderen Schulen gleichen Typs unterscheidet. Entsprechend vielfältig sind die Schulwege. Daher wird im Landkreis diskutiert, die Satzung über Förderung der Schülerfahrkarten zu verändern. Dies wirkt sich aber auf das gesamte Angebot beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Kreis aus, stellt das Verkehrsamt des Kreises fest. Denn manche Buslinien sind nur unterwegs, weil sie Schüler befördern. Werden Fahrten zu bestimmten Standorten nicht mehr oder geringer bezuschusst, könnte sich dies auf die Zahl der Fahrgäste auswirken, falls die Eltern, wie es die Kreisverwaltung erwartet, auf veränderte Zuschüsse reagieren.

Daher rät die Kreisverwaltung davon ab, den Fahrkartenzuschuss auf den Besuch der nächstgelegenen Schule des gleichen Typs zu beschränken. Dies entspreche nicht der Struktur des Kreises. Zudem stehe dieses Modell im Widerspruch zu den neuen Schulformen in verschiedenen Kommunen.

Derzeit unterscheidet der Landkreis zwischen dem "Regelschulangebot" (Grundschulen sowie Hauptschulen und Werkrealschulen) und den "Weiterführenden Schulen" (Gymnasien und Realschulen). "Regelschüler" zahlen 50 Prozent der Kosten für ein Ticket der Tarifzone drei, egal wie weit ihr Schulweg tatsächlich ist. Ein Monatsticket kostet daher 24,50 Euro, Gymnasiasten und Realschüler müssen hingegen 90 Prozent der Tarifzone drei aufbringen. Das sind 44,10 Euro im Monat. Bei diesen Tickets haben Eltern die Möglichkeit zu entscheiden, in welchen Monaten ihr Kind eine Busfahrkarte braucht - etwa im Winter mit dem Bus, im Sommer mit Rad.

Etwa 70 Prozent der Schüler nutzen aber laut Troy Dutta vom Amt für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur die Schüler-Abo-Karte, eine Jahreskarte, die nachmittags im ganzen Filslandverbund genutzt werden kann. Dieses Ticket ist im Monatsdurchschnitt etwas billiger.

Der Landkreis prüft nun ein dreistufiges Zuschussmodell. Demnach würde zwischen Grundschülern, Schülern der Klassen 5 bis 9 sowie Schülern ab Klasse 10 unterschieden. Je nachdem, wie stark der Landkreis die einzelnen Fahrkarten künftig fördert, kann es Gewinner und Verlierer geben. Tendenziell müssten Hauptschüler mehr als bisher bezahlen, Realschüler und Gymnasiasten würden entlastet.

Weil sie die derzeitige Regelung des Eigenanteils für "sozial unverträglich" hält, hat die Kreistagsfraktion der SPD beantragt, einen einheitlichen Elternbeitrag während der Schulpflichtphase einzuführen. Das Landratsamt wird bis Januar die einzelnen Beitragsmodelle berechnen, dann werden sie wieder im Verkehrsausschuss (UVA) beraten, erläutert Dutta.

Für den Schülerverkehr gibt der Kreis laut Dutta etwa acht Millionen Euro im Jahr aus. Dem stehen Einnahmen aus den Elternbeiträgen und dem Landeszuschuss entgegen. Unter dem Strich liege das jährliche Defizit der Schülerbeförderung bei 1,5 bis 1,7 Millionen Euro.

KOMMENTAR SCHÜLERFAHRKARTEN: Schulformen gleich behandeln
DANIEL GRUPP | 20.11.2012
Denn eine gute Ausbildung ist schließlich die Voraussetzung dafür, dass ein rohstoffarmes Land auch in Zukunft seinen Wohlstand sichern kann, sagen viele Politiker - in ihren Sonntagsreden.
Der Alltag sieht oft anders aus, zum Beispiel bei der Schülerbeförderung. Eltern müssen für Kinder, die "höhere" Schulen besuchen, tiefer in die Tasche greifen als für Kinder, die zur Hauptschule oder zur Werkrealschule gehen, selbst bei gleicher Fahrtstrecke im selben Bus. Diese Ungleichbehandlung im Landkreis stammt aus der Nachkriegszeit, als die Hauptschule tatsächlich die Schulform war, welche die Mehrheit der Kinder eines Jahrgangs besucht hat. Das ist längst vorbei. Die Ungleichbehandlung von Real- und Werkrealschülern bestätigt den Unsinn dieser Regelung. War nicht beim Start der aufgepäppelten Hauptschulen von der Gleichwertigkeit beider Abschlüsse die Rede?
Mit der dann möglichen Einführung des Studi-Tickets hat das Landratsamt für die Teilintegration in den Verkehrsverbund Stuttgart geworben. Für die Attraktivität des Kreises, der sich das Image "familienfreundlich" geben möchte, würde sicherlich eine kreisweit gültige Schülerfahrkarte gut sein, die alle Schulformen gleich behandelt. Dafür Geld aus dem Kreishaushalt einzusetzen, wäre gut angelegt.

 

Homepage SPD-Kreisverband Göppingen

Unsere Abgeordneten

Heike Baehrens

 

Shariff

Downloads

Flyer

OV-Zeitung

Suchen

WebsoziInfo-News

26.09.2026 19:01 Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung
Jetzt braucht es einen gemeinsamen Aufbruch für Olympia. München setzt sich durch. Nachdem die Evaluierungskommission die Konzepte von München und KölnRheinRuhr nahezu gleichauf bewertet hatte, haben sich die Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung nun für München als deutsche Bewerberstadt entschieden. Wir gratulieren München und allen Beteiligten zu diesem überzeugenden Konzept. Sonja Eichwede, stellvertretende Vorsitzende: „Herzlichen Glückwunsch… Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung weiterlesen

25.09.2026 19:03 Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing
Umsetzung von EU-Regeln gegen Greenwashing: Koalition schafft pragmatische Lösung für Altwarenbestände Am 27. September 2026 treten neue Regeln in Kraft, nach denen Umweltaussagen in der Werbung oder auf Produktverpackungen jetzt klar und nachvollziehbar belegt werden müssen. Um einen pragmatischen und verhältnismäßigen Umgang mit Altbeständen sicherzustellen, justieren wir nach. Carmen Wegge, rechts- und verbraucherpolitische Sprecherin: „‘Einfach… Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing weiterlesen

14.09.2026 17:56 Zollkodex
Jeden Tag kommen Millionen Kleinsendungen aus Drittstaaten in die EU. Die enorme Menge erschwert wirksame Kontrollen erheblich. Allein im Jahr 2024 wurden 4,6 Milliarden Pakete mit einem Warenwert von weniger als 150 Euro in die EU eingeführt – 91 Prozent davon über chinesische E-Commerce-Plattformen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2023, als… Zollkodex weiterlesen

14.09.2026 17:54 Armand Zorn zur aktuellen Lage der Spritpreise
Regulatorischer Spritpreisdeckel zur Entlastung von Verbraucherinnen und Verbrauchern Die steigenden Spritpreise sorgen erneut für Belastungen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern. Angesichts der Tatsache, dass die Preise an den Zapfsäulen auch jetzt wieder stärker und schneller gestiegen sind, als der Ölpreis und die Verarbeitungs- und Transportkosten es zu rechtfertigen vermuten, fordern wir erneut einen regulatorischen Spritpreisdeckel zur… Armand Zorn zur aktuellen Lage der Spritpreise weiterlesen

14.09.2026 17:53 Nancy Faeser zur Schließung der Goethe-Institute in Russland
Schließung deutscher Goethe-Institute in Russland ist großer Fehler Nancy Faeser, zuständige Berichterstatterin: Seit dem 13.09.2026 schließt Russland die Goethe-Institute in Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg. Die SPD-Bundestagsfraktion kritisiert die Entscheidung als schweren Rückschlag für den kulturellen und gesellschaftlichen Austausch. Die Institute stärken die Verbindungen zwischen Deutschland und der russischen Zivilgesellschaft über Regierungen hinaus. „Die Schließung der… Nancy Faeser zur Schließung der Goethe-Institute in Russland weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de