LEITARTIKEL · KLINIKEN: Gefährlicher Rückstand

Veröffentlicht am 23.01.2010 in Kreistagsfraktion

HELGE THIELE, Neue Württembergische Zeitung

Der Landkreis steht mit seinen Kliniken vor einer gigantischen Herausforderung: Nur wenn es gelingt, die Göppinger Klinik am Eichert und die Helfenstein-Klinik in Geislingen in den kommenden Jahren wirtschaftlich sinnvoll zu modernisieren, werden die Einrichtungen eine Chance haben, sich im immer härter werdenden Wettbewerb der Krankenhäuser in der Region langfristig zu behaupten. Doch dazu ist viel, sehr viel Geld notwendig. 62 Millionen Euro sollen in den nächsten fünf Jahren investiert werden, 37 Millionen davon soll der Kreis übernehmen. So hat es - gegen den Willen einer sehr skeptischen SPD - die Gesellschafterversammlung der Kliniken gGmbH kürzlich beschlossen.

Ruhe ist seitdem nicht eingekehrt. Das liegt zum einen daran, dass die Finanzierung des Mammutvorhabens in Zeiten dramatisch sinkender Einnahmen der Kommunen und des Landes alles andere als gesichert ist. Zum anderen gibt es auch erhebliche Zweifel an der Qualität des Konzepts, das die Geschäftsführung der Kliniken-Gesellschaft in Fleißarbeit und kürzester Zeit erarbeitet hat.

Die Probleme sind vielschichtig: Da der Großteil der im Kreis Göppingen getätigten Klinik-Investitionen in den letzten fünf Jahren auf dringend notwendige, aber immer wieder verschobene Instandhaltungsmaßnahmen entfiel, sind die zwei Krankenhäuser im Filstal im Vergleich zu den Häusern in Nachbarkreisen und in der Landeshauptstadt noch weiter ins Hintertreffen geraten. Denn anderswo wurde in der gleichen Zeit kräftig und klug aufgerüstet.

Niemand hat Anlass dazu, die Klinik am Eichert und die Helfenstein-Klinik schlecht zu reden, doch auch die Experten vor Ort räumen ein, dass die Investitionen in neue Großgeräte in der Radiologie und im Herzkatheterlabor nicht ausreichen, um neue Patienten in der betriebswirtschaftlich benötigten Zahl zu gewinnen.

Jetzt ist der Kreis Göppingen spät dran, will er den gefährlich großen Rückstand auf die Konkurrenz aufholen. Natürlich muss dafür viel Geld in die Hand genommen werden. Doch es muss so investiert werden, dass die Kliniken im Kreis damit Angebote unterbreiten können, die es in dieser Qualität anderswo nicht gibt. Spezialisierung und Kooperation heißen die beiden Schlüsselworte, die im vorliegenden Konzept zu wenig Berücksichtigung finden. Mit dem Christophsbad steht ein landesweit angesehener Partner in den Startlöchern. Doch man muss sich auch trauen, neue Wege zu gehen. Die Kreispolitiker sollten sich daher noch mal genau überlegen, wofür sie 37 Millionen ausgeben wollen.

 

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