Ein Roter bei den Roten

Veröffentlicht am 18.04.2009 in Arbeitsgemeinschaften

Der VfB-Stuttgart schwimmt auf einer Erfolgswelle, Erwin Staudt sprach darüber vor den SPD-Senioren in GP. FOTO: Mändle

Bei einer Rede vor den SPD-Senioren im Vereinsheim des TV Jahn gewährte VfB-Präsident Erwin Staudt Einblicke in das Innenleben des Bundesligisten. Und er plädierte für ehrenamtliche Tätigkeit.

CEZAR MÄNDLE, Neue Württembergische Zeitung

Göppingen. Der VfB schwimmt derzeit auf einer Erfolgswelle. In der Bundesliga befindet man sich in der Spitzengruppe, der Gewinn der Meisterschaft ist gerade mal zwei Jahre her und die Mitgliederzahlen schießen seit geraumer Zeit in die Höhe. Erwin Staudt, Präsident des VfB Stuttgart, ist also gefragt. Gestern sprach er auf Einladung der SPD-Senioren in Göppingen über das Erfolgsgeheimnis.

In einer rund einstündigen Rede ließ der Präsident die letzten Jahre noch einmal Revue passieren. Neben der guten wirtschaftlichen Entwicklung des Vereins war die steigende Mitgliederzahl ein wichtiges Anliegen für Staudt.

Die abnehmenden Mitgliederzahlen bei den beiden Volksparteien seien ein alarmierendes Zeichen, welchem mit der Aufwertung der ehrenamtlichen Tätigkeiten entgegen getreten werden müsse: "Diejenigen, die sich für die Allgemeinschaft einsetzen, sind nicht die Dummen", lautete sein Fazit vor knapp 50 Zuhörern. Ansonsten hielt sich das SPD-Mitglied mit politischen Aussagen zurück und rückte vor allem den Sport in den Vordergrund.

Wie auch im richtigen Leben seien dort die Entwicklung der Persönlichkeit und die zwischenmenschlichen Beziehungen von fundamentaler Bedeutung. "Deswegen legen wir beispielsweise großen Wert darauf, dass die Spieler in unserer Jugendakademie einen Schulabschluss haben und etwas über Disziplin lernen", benannte er den Beitrag seines Vereins für die Gesellschaft. Als größter Verein in Württemberg habe der VfB darüber hinaus die Aufgabe, den Menschen in der Region eine Identifikationsmöglichkeit zu bieten. "Wir sind ein Sportverein für Württemberg", erklärte er seine Präsenz außerhalb Stuttgarts, um anschließend mit einem Augenzwinkern hinzuzufügen: "Allerdings nicht für Baden."

Anschließend stellte er sich den Fragen der Anwesenden. Die Leichtathletikbegeisterten mussten ob des anstehenden Stadionumbaus getröstet werden und der ein oder andere unglückliche Transfer kam zur Sprache.

Einen interessanten Einblick in den Trainerfindungsprozess lieferte der VfB-Präsident auf Nachfrage auch noch. Man treffe sich höchst konspirativ in Hotels mit Tiefgaragen, damit die Presse nichts von den Zusammenkünften erfahre. Eingeweiht seien nur zwei oder drei enge Vertraute, denn "der Preis geht sofort in die Höhe, wenn ein Name in der Presse steht".

Auf die Kritik an der Abgabe von Nachwuchsspielern reagierte Staudt besonnen. Jede Position sei doppelt besetzt, wenn man ein gutes Angebot erhalte und keinen Qualitätsverlust befürchtet, müsse man eben junge Spieler wie Andreas Beck oder Christian Gentner ziehen lassen. Dafür habe man mit Serdar Tasci, Sami Khedira oder Mario Gomez einige Stammspieler aus der eigenen Jugend.

Die gute Jugendarbeit des Vereins führte Staudt auch auf die gute Vereinsarbeit in der Region zurück. In letzter Zeit seien viele Traditionsverein in die Bredouille geraten, weswegen der Präsident versicherte, dass der VfB keine Sponsoren von kleineren Vereinen abwerbe.

Auf die Zukunft von Mario Gomez angesprochen, erklärte Staudt, dass man versuche, ihn zu halten. Ob das auch tatsächlich gelinge, sei von vielen Faktoren abhängig. "Wichtig ist aber erstmal das Spiel in Köln. Wir fahren hin, um zu gewinnen."

 

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