Das Ehrenamt ist vielfältig

Veröffentlicht am 30.09.2008 in Presseecho

Der Geislinger OB W. Amann war als "Sichtwechsler" in der Tagesstätte "Lichtblick". Foto: Privat

"Sichtwechsler" im Landkreis schnuppern in verschiedenen Einrichtungen

Neue Württembergische Zeitung

Die von den "Sichtwechslern" besuchten Einrichtungen begrüßen die Aktion zum Schnupper-Engagement. Die Hohenstaufenstiftung bietet Einblicke in unterschiedlichsten Bereiche ehrenamtlicher Tätigkeit.

Kreis Göppingen. Vielfach wird von den besuchten Einrichtungen der Wunsch auf eine regelmäßige Durchführung der Aktion geäußert. Aber auch die "Sichtwechsler" sind begeistert von den gemachten Erfahrungen und neuen Eindrücken, die durch die Aktion der Hohenstaufenstiftung zur "Woche des bürgerschaftlichen Engagements" möglich wurden.

Die ehrenamtlichen Helfer in der Tagespflege des Samariterstifts in Geislingen wurden von Sascha Binder unterstützt. Neben der Hilfe beim Frühstück herrichten für die Besucher der Tagespflege stand die Zeitungsrunde auf dem Programm. Das Vorlesen der Meldungen ergänzte der SPD-Kreisvorsitzende mit Erklärungen über die Zusammenhänge. Bevor die Vorbereitungen zum Mittagessen anstanden, besuchte Binder mit den Senioren noch die Stadtkirche zu einer Führung. "Die Offenheit, mit der die Besucher auf meinen Einsatz reagiert haben, war sehr beeindruckend", beschreibt Sascha Binder seine Eindrücke.

Zum Blutspendetermin des DRK in Bad Boll fanden sich gleich zwei Sichtwechsler ein. Bürgermeister Hans-Rudi Bührle spendete bereits zum 20. Mal Blut. "Die Zahl der Erstspender hat zwar zugenommen, aber leider fehlen die Zweit- oder Mehrfachspender", erklärt der Bad Boller Schultes. "Ich hoffe, durch mein Beispiel auch andere zum Blutspenden animieren zu können", bringt Bührle den Grund für seine "Sichtwechsel"-Wahl zum Ausdruck. Ebenfalls dort im Einsatz war Dr. Heinrich Ruff. Er assistierte den DRK-Kräften bei der Blutabnahme und der Betreuung der Blutspender. Dr. Ruff zeigte sich beeindruckt von der Organisation: " Hier ist alles top gemanagt, jeder Handgriff sitzt und der Ablauf ist reibungslos."

Der Carisatt-Laden in Geislingen freute sich über die Unterstüzung von Ruth Felder. In dem seit zwei Jahren bestehenden Tafelladen unterstützte Felder schon ab 8 Uhr die zehn Ehrenamtlichen beim Ware herrichten und Regale einräumen. In der Ebersbacher Tafel des DRK unterstützte Bettina Hörmann die Ehrenamtlichen mit den selben Tätigkeiten. "Ich überlege mir schon lange, im ehrenamtlichen Bereich etwas zu tun, da bietet sich diese Möglichkeit des Hineinschnupperns geradezu an", gibt die Ebersbacherin als Grund an. Nächste Woche wird Sie deshalb auch im Ebersbacher Pflegestift im Einsatz sein.

Der Geislinger Oberbürgermeister Wolfgang Amann war zum "Sichtwechsel" in der Geislinger Tagesstätte "Lichtblick". Mit den Besuchern der vom Verein für Psychatrieerfahrene getragenen Tagesstätte ins Gespräch zu kommen gelang erstaunlich gut. "Es gab keine Berührungsängste", beschreibt der Geislinger OB seine Erfahrungen. "Die Besucher erzählten auch von ihrer Erkrankung.

Die Wichtigkeit einer solchen Einrichtung ist mir dadurch sehr deutlich geworden. Verhindert die Tagesstätte doch, dass nach einer Behandlung oder Therapie die Betroffenen in ein Loch fallen", so Amann weiter. Zudem trage die wohnliche Atmosphäre der Tagesstätte zu dem Gefühl, gut aufgehoben zu sein, entscheidend bei. Die Akten mit einem Buch hat der Beuremer Schultes bei seinem "Sichtwechsel" getauscht. Bürgermeister Karl Vesenmaier war im Kardinal-Kasper-Haus zu einer Vorlese-Stunde. Dabei las er aus "Carepaket mit Erdnussbutter" einige Geschichten vor, die von einer schwäbischen Kindheit in den 40er Jahren erzählen.

Der Ebersbacher Bürgermeister Edgar Wolff wagte einen Perspektivwechsel im Ebersbacher Pflegestift und half in der Schwerstpflege im Ebersbacher Pflegestift mit. Da Wolff die Einrichtung bisher nur von Besichtigungen und Feierlichkeiten kannte, war es für ein Bedürfnis, selbst einmal den betrieblichen Alltag kennenzulernen. "Für Kommunalpolitiker halte ich es für wichtig, von Zeit zu Zeit die Sicht zu wechseln, einfach auch um eingefahrene Denkstrukturen in Frage zu stellen", nennt der Ebersbacher Schultes einen von mehreren Gründen für seinen "Sichtwechsel". Auch in Ebersbach im Einsatz war am Freitag Brigitte Pullmann. Im Tafelladen des DRK half Sie beim Salat putzen und Ware einräumen. "Der örtliche Bezug war für mich beim Sichtwechsel wichtig. Außerdem möchte ich helfen, die Ebersbacher Tafel in die Öffentlichkeit zu tragen", umschreibt Pullmann Ihre Auswahl. Ein Beispiel zu geben und die Notwendigkeit ehrenamtlichen Einsatzes seien die Gründe für Ihre Teilnahme bei der Aktion der Hohenstaufenstiftung gewesen.

Die Verdi-Landesvorsitzende Leni Breymaier vollzog ihren Sichtwechsel in dem Geislinger Second-hand-Laden der Diakonie. "Da ich im Einzelhandel gelernt und gearbeitet habe, lag diese Auswahl nahe", so die Gewerkschafterin. Zudem wolle sie die Atmosphäre in dem Laden kennenlernen. "Besonders toll finde ich, dass der Laden den Besuchern das Gefühl vermittelt, dazu zugehören, weil er offen für alle ist: Bedürftige, Schnäppchenjäger und Sammler" bringt Breymaier ihre Eindrücke zum Ausdruck.

Der Diakonieladen, der nächstes Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert, ist mittlerweile zu einer Institution geworden, erzählt Ernst-Wilhelm Weid, Geschäftsführer der Diakonie in Geislingen. Das zeige sich vor allem an der Umsatzentwicklung. Die Gewinne des komplett ehrenamtlich betriebenen Ladens fließen in Projekte der Diakonischen Bezirksstelle Geislingen.

 

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