Sozial-Gipfel der SPD: „Fachkräftemangel bei sozialen Berufen dramatisch“

Veröffentlicht am 12.05.2022 in Kreisverband

„Auch innerhalb unseres Landkreises gibt es einen enormen und sich steigernden Mangel an Fachkräften in sozialen Berufen. Dem muss stärker entgegengewirkt werden. Sonst ist die Zukunftsfähigkeit unseres Landkreises weit über die soziale Daseinsvorsorge hinaus gefährdet!“ Dies war das Resümee der SPD-Kreisvorsitzenden Sabrina Hartmann und der Vorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion, Susanne Widmaier, am Ende eines erstmals abgehaltenen ‚Sozial-Gipfels‘ der Kreis-Partei.

Gekommen in das SPD-Bürgerbüro waren eine erhebliche Anzahl von Spitzenvertretern von im Landkreis tätigen Organisationen des Sozial- und Gesundheitswesens. Dabei auch die hiesige Bundestagsabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, Heike Baehrens und der sozialpolitische Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion, Bürgermeister Julian Stipp.  Fachkräftemangel und Wohnraummangel waren die beherrschenden Themen. Aktuelle Mängel, wie die ungenügende Finanzierung der Schulbegleitung und der Inklusionsbegleitung (Widmaier: „ein Riesen-Thema“), aber auch strukturelle Themen, wie die Umstellung auf die ‚generalistische Ausbildung‘ in den Pflegeberufen kamen im offenen Gedankenaustausch zur Sprache. Die AWO-Kreisgeschäftsführerin Sonja Elser betonte „Es muss hier viel aufwändige Praxisanleitung geleistet werden, was Kapazitäten des Personals bindet.“

Georg Kolb, Vorsitzender des ‚Tagesmütter e.V. bekräftigte: „Die Situation in der Kinderbetreuung ist derzeit eine besondere Herausforderung“. Denn allenthalben ist der familiäre Bedarf größer als das Angebot an Erzieher*innen und die zur Verfügung stehenden Räume. Und dies trotz unbestreitbar großer Anstrengungen der meisten Kommunen und seit ‚grün-rot‘ deutlich gestiegener finanzieller Landesbeteiligung. Jutta Kraus von ‚Viadukt‘ lenkte den Blick auf die Situation psychisch Kranker, welche in die Systematik des ‚Bundesteilhabegesetzes‘ oft „nicht rein passen“. Und sie warnte im Blick auf Corona: „Kinder, die keine Kontakte hatten, oft mit Angststörungen, werden sich als Welle vor uns aufbauen“. Zumal Psychiater-Praxen bei uns nicht genügend vertreten sind und man kaum Termine bekomme. Und ihr Vereinsvorsitzender Dr. Michael Grebner wies auf einen anderen alarmierenden Sachverhalt hin: weil es keine ‚Substitutionsärzte‘ im Landkreis mehr gebe, befürchte er bei Drogenabhängigen „eine steigende Kriminalität“.

Natürlich kamen auch die Fortschritte der letzten Jahre zur Sprache: Jürgen Lämmle, ehemaliger erster Bürgermeister und dann Ministerialdirektor im Sozialministerium, schilderte als Aufsichtsratsvorsitzender der Wilhelmshilfe dortige Neuerungen: Die Wilhelmshilfe hat in einem sanierten Gebäude in Bartenbach ein Konzept "Individuelles Wohnen im Alter 4.0" erprobt. Dieses Konzept bietet Bewohnern zur Unterstützung moderne technische Infrastruktur, die verbunden mit barrierefreier Architektur dazu führt, dass Senioren und Menschen mit Handicaps möglichst lange und selbstbestimmt in ihren eigenen Wohnungen leben können. Die Wilhelmshilfe wurde für dieses Konzept im letzten Jahr mit dem Innovationspreis des Landkreises ausgezeichnet. Auch Julian Stipp zeigte sich von den Fortschritten der Medizin in der ‚Assistenz-Technik‘ beeindruckt, welche ihm ein Besuch zusammen mit Peter Hofelich an der Göppinger Hochschule gezeigt habe. Er forderte die gemeinnützigen Wohnungsbauunternehmen auf, hier Demonstrationsvorhaben zu projektieren.

Hauptthema bleibt der Personalmangel und auch die Motivation in den Pflege- und Gesundheitsberufen. Die Anwesenden waren sich einig, dass man die Zugangshürden senken und die sozialen Berufe in ihrem Wert und ihrer Bedeutung mehr darstellen muss, nachdem bei der tariflichen Bezahlung jüngst Fortschritte erzielt wurden. Heike Baehrens sah es als einen Fehler an, „dass die CDU/FDP-Landesregierung vor Jahren die Pflegeheimförderung abgeschafft hat, denn dies führt nun zu stetig steigender Belastung der Pflegeheimbewohner bei den Investitionskostensätzen.“ Martina Heer,  VdK-Kreisverbandsvorsitzende betont: „Mit der Pandemie haben familiäre Pflichten zugenommen, was sich auf das Ehrenamt auswirkt. In Zukunft muss es darum gehen, das Ehrenamt zu stärken, um den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu sichern.“

 

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