Nur zur Hälfte richtig reagiert

Veröffentlicht am 30.03.2009 in Presseecho

Klimakatastrophe thematisiert: Michael Müller. FOTO: NWZ

Michael Müller zur Klimakatastrophe

Michael Müller ist Staatssekretär im Umweltministerium. Sein Thema in der Stadthalle Göppingen: Ist die Klimakatastrophe noch zu verhindern?

HANS STEINHERR, Neue Württembergische Zeitung

Göppingen Im haben wir keine Wahl mehr. Die Frage, ob eine Klimakatastrophe noch zu verhindern sei, kann auch Michael Müller aus dem Berliner Umweltministerium, Bundesvorsitzender der Naturfreunde und einer der engagiertesten Umweltpolitiker in Deutschland nicht zuverlässig beantworten. Wir stecken mittendrin. Es bleibt die Notwendigkeit, entscheidend dagegen vorzugehen, damit es nicht noch schlimmer wird, sagt Michael Müller. Auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Walter Riester und der SPD Göppingen referierte der 61-jährige parlamentarische SPD-Staatssekretär am vergangenen Freitagabend in der Göppinger Stadthalle über Energiepolitik und Klimawandel.

"Es geht um die Grundfrage, wie geht die Zivilisation weiter", erklärt Müller. "Die Politik muss frühzeitig entscheidende Entwicklungen erkennen und dann die Weichen stellen." Drei Mal seien in Deutschland im letzten Jahrhundert nach epochalen Ereignissen solche Weichen gestellt worden. Nach 1945 mit Ludwig Erhardt, mit Willy Brandt in der Ära der Entspannungspolitik, habe man richtig reagiert. In den 80er Jahren dann habe man zwar vorausgesehen, was sich bis heute zugespitzt hat. Aber man habe da nur zur Hälfte richtig reagiert. In der Aufkündigung des Weltwährungssystems durch den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon und der Stärkung der Wall Street habe das heutige weltweite Finanzdesaster seinen Ursprung gehabt.

Die Visionen und Szenarien verursacht durch globalen Klimaveränderungen, die Umweltfachmann Michael Müller ausmalt, sind nicht neu, die Zahlen immer wieder erschreckend. In den vergangenen 200 Jahren sei auf den Temperaturanstieg der vergangenen 650 000 Jahre in der Bandbreite von sechs Grad Celsius nochmals halb so viel aufgesattelt worden. Ein weiterer Anstieg um zwei Grad Celsius müsse nach Ansicht des Weltklimarates dringend vermieden werden. Die Auswirkungen wären verheerend.

Doch würde heute der Ausstoß an Kohlendioxid sofort gestoppt werden, sei trotzdem ein Anstieg von mindestens 1,4 Grad Celsius vorprogrammiert. Michael Müller: "Klimaveränderung hat einen Vorlauf von 50 Jahren. Was uns heute betrifft, wurde in den 60er Jahren verursacht."

Ob auch eine Abwrackprämie für energiefressende Haushaltsgeräte Sinn macht? Staatssekretär Michael Müller bejaht dies. "Für finanzschwache Haushalte durchaus vorstellbar", meint der Umweltpolitiker.

 

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