Mut haben und los gehen

Veröffentlicht am 21.04.2009 in Wahlen

Will Frauen Perspektiven aufzeigen: Heide Kottmann. FOTO: Andrea Maier

Heide Kottmann will ihr Umfeld mitgestalten

Die Hälfte der Menschheit ist weiblich. Um Frauen gerade im Wahljahr 2009 deutlicher ins Parteien- und Wählerbewusstsein zu rücken, stellen wir in loser Reihenfolge politisch aktive Frauen vor.

ANDREA MAIER, Neue Württembergische Zeitung

Göppingen. Sie ist promovierte Ernährungswissenschaftlerin, hat drei Schwestern, einen Ehemann und tut ziemlich viel für ihre Wahlheimat Eislingen. Heide Kottmann hat sich nach dem Studium noch zur Heilpraktikerin ausgebildet. Als solche arbeitet sie ganzheitlich mit Einzelnen. "Ich will mein Umfeld mitgestalten", sagte sich die heute 54-Jährige und schloss eine Weiterbildung zur Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen an. Gestalten beginnt bei Mitbestimmung, also trat sie 1991 in die SPD ein.

1994 wurde sie auf Anhieb Stadträtin und wird auch jetzt wieder zur Wahl stehen. Gut beleuchtete Wege, übersichtliche Straßenübergänge, Jugendhaus, Einkaufsmöglichkeiten, ein Frauen-Café und vieles mehr hat sie mit auf den Plan und in den Eislinger Alltag gebracht. "Frauen haben einen anderen Blickwinkel als Männer", weiß sie und betont, dass sie nicht gegen Männer arbeite, sondern sich mit ihnen gemeinsam für die beste Lösung einsetzen will. Frauen haben nach wie vor weit weniger Entscheidungsmacht. Dabei will sie es nicht belassen. Selbstverständlich war sie deshalb bei der Gründung der Eislinger Frauen Aktion, "efa", dabei und ist es noch immer.

Einmal losgegangen, erkannte die besonnene Frau immer mehr Gremien, "in denen Frauen mitentscheiden müssen". Vier Jahre lang war sie Kreisvorsitzende ihrer Partei in Göppingen. Nicht immer gehe sie mit der Bundespolitik der SPD konform. Auch dabei nutzt sie die Netzwerke von und für Frauen. "In einer Gruppe kann man forscher auftreten und mehr fordern", schmunzelt sie.

Seit 2006 mischt die Eislingerin auch in der Landespolitik mit: Im Landesverband sozialdemokratischer Frauen. Klar, dass sie auch im Kreisfrauenrat aktiv daran beteiligt ist, Frauen in allen Gremien zu unterstützen. Seit 2008 ist sie deren Sprecherin. Ihr Anliegen ist schnell auf den Punkt gebracht: Nur Frauen und Männer zusammen können eine lebensfrohe Gesellschaft für alle gestalten.

Gut, sie ist viele Abende der Woche auf Sitzungen, hat in manchen Gremien hart zu kämpfen, "um die weibliche Sicht einzubringen". Gerade am Anfang sei es nicht leicht gewesen, sich in den eingeschworenen Männerrunden Gehör und Akzeptanz zu verschaffen. "Es gibt in den entscheidenden Positionen immer wenigstens einen wichtigen Mann, der seine Ansprüche geltend machen will". Diese Strukturen gilt es für Heide Kottmann abzubauen. "Dazu muss eine Frau eben mal den Anfang machen", sie schaut aus dem Fenster. "Was tu" ich mir da bloß an?" habe sie sich oft gefragt, aber "jede wächst in ihre Aufgaben hinein". Dafür ist sie selbst bemerkenswerter Beweis. "Mittlerweile sieht es in den Gremien ein bisschen anders aus."

Darin sieht sie Bestätigung für ihr ehrenamtliches Engagement: Einige Männer erkennen Frauenthemen bereits als selbstverständlich. Trotzdem gebe es noch oft dieses leise Aufstöhnen, wenn sie unbeirrt weibliche Perspektiven aufzeigt "Habt Mut und geht hinein in die Ämter", ermuntert sie die Frauen. Und wenn ihr selbst mal die Puste ausgeht? "Sport ist mein Ausgleich". Sagt"s, schwingt sich auf ihr Rennrad und flitzt los.

 

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