Kreischef erntet Gegenstimmen

Veröffentlicht am 16.10.2010 in Landespolitik

JOACHIM ABEL, Neue Württembergische Zeitung

Kreis Göppingen. Der SPD-Kreisvorsitzende Sascha Binder tritt für seine Partei bei der Landtagswahl im Wahlkreis Geislingen an. Erwartungsgemäß wurde er nominiert, doch erhielt der S-21-Befürworter fünf Gegenstimmen.

Fünf Gegenstimmen, genau so viele wie bei seiner Nominierung zur Bundestagskandidatur, erhielt Sascha Binder am Donnerstagabend im Gasthof Hirsch in Süßen, wo die Sozialdemokraten den 27-jährigen Rechtsanwalt auf ihr Schild für die Landtagswahl im Wahlkreis Geislingen hoben. Der SPD-Kreisvorsitzende, der einziger Kandidat war, war mit dem Ergebnis nicht unzufrieden, 39 SPD-Mitglieder stimmten für ihn.

Mit einer überwiegend frei vorgetragenen, emotionalen und kämpferischen Rede hatte sich Binder vorgestellt, in der er neben Stuttgart 21 viele weitere Themen der Landes- und Bundespolitik ansprach. Denn "auch andere Themen müssen wieder eine Rolle spielen", erklärte er.

Binder bezog klare Position: "Ich habe mich intensiv mit Stuttgart 21 befasst und Stuttgart 21 für gut befunden." 15 Jahre sei geplant worden, die Bahn habe eine Genehmigung erhalten. Heute würden aber ganz andere Argumente eine Rolle spielen, argumentierte Binder: "Wenn wir es bis jetzt nicht geschafft haben, die Bevölkerung mitzunehmen, dann müssen wir sie befragen." Wie von der Landes-SPD als Marschroute ausgegeben, sieht auch Binder in einem baldigen Volksentscheid eine "Möglichkeit zur Befriedung der Lager". Er ist von einer Mehrheit für Stuttgart 21 überzeugt.

Binder will auch neue Akzente in der Schulpolitik setzen. Studieren auch ohne Hochschulabschluss bei entsprechender Ausbildung, qualifizierte schulische Grundausbildung für Schulabgänger ohne Ausbildungsstelle, längeres gemeinsames Lernen in der Schule, kleinere Klassen, individuelle Förderung der Starken und der Schwachen sowie die Abschaffung der Studiengebühren, so lauten seine Forderungen. Er tritt für einen Atomausstieg ein, für eine Gesellschaftspolitik, in der es keine Diskriminierungen mehr gibt, und für die absolute Gleichberechtigung von Mann und Frau.

"Die Chance, die CDU und FDP aus der Regierung zu schießen, war noch nie so gut wie heute, erstmals haben wir durch die Wahlreform auch die Chance, in Geislingen ein Mandat zu erringen", gab sich Binder zuversichtlich.

Als Zweitkandidat wurde der Geislinger Sonderschullehrer und langjährige Stadtrat Thomas Reiff (56) gewählt. Er setzte sich mit 29 zu 17 Stimmen gegen die Salacherin Gabriele Beckert (50) durch. Reiff ist ein erfahrener Wahlkämpfer, aber auch ein überzeugter Stuttgart- 21-Gegner.

Wie Binder plädiert er für eine baldige Volksabstimmung. "Ich will mit der Zweitkandidatur zeigen, dass wir in unserer Partei, auch wenn wir bei dem zurzeit bestimmenden Thema Stuttgart 21 unterschiedlicher Meinung sind, zusammenarbeiten können", sagte Reiff in seiner Vorstellungsrede. Um wie Binder anzumerken: "Es gibt schließlich außer Stuttgart 21 noch andere wichtige Themen. Dies sehe ich auch als ein Signal nach außen."

 

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