„Junge Menschen brauchen Halt“

Veröffentlicht am 06.05.2009 in Wahlen

Manfred Malchow und Sascha Binder im Gespräch. FOTO: T. Zajontz

SPD-Bundestagskandidat im Dialog mit der Polizei

Zu einem Gedankenaustausch trafen sich jüngst der SPD-Bundestagskandidat Sascha Binder und der Leiter des Geislinger Polizei-Reviers, Manfred Malchow. Dabei kamen vor allem die hohe Kinder- und Jugendkriminalität aber auch die mäßige Ausstattung von Polizei und Gerichten zur Sprache.

TIM ZAJONTZ

GEISLINGEN/KREIS GÖPPINGEN. Als „immenses, gesellschaftliches Problem“ bezeichnete Revierleiter Manfred Malchow die hohe Kinder- und Jugendkriminalität bei einem Gespräch mit dem SPD-Bundestagskandidaten im Geislinger Polizeirevier. Der Anteil der unter 21-Jährigen an den verübten Straftaten sei mittlerweile auf 35 Prozent angestiegen. Die Biografien krimineller Jugendlicher zeichneten sich dabei immer durch fehlende Bildungschancen und Berufsperspektiven aus. „Überall dort, wo Betreuung stattfindet, funktioniert es.“, brach Malchow für den verstärkten Einsatz von Sozialarbeitern auch zu Nachtzeiten eine Lanze. Die in Geislingen eingerichtete Zukunftswerksatt Integration sowie die Arbeit der Schulsozialarbeit lobte Malchow als Erfolge. Der SPD-Bundestagskandidat Sascha Binder forderte den Ausbau von Räumlichkeiten für Jugendliche und die Unterstützung der Vereinsarbeit. „Wir müssen hier präventiv tätig werden anstatt später die teure Zeche zu bezahlen. Junge Menschen brauchen Halt und Ansprechpartner.“, sprach sich Binder für eine flächendeckende Ganztagesbetreuung von Kindern und Jugendlichen aus.

Gesprächsthema waren auch die gewaltvollen Auseinandersetzungen verschiedener Jugendgruppen, die sich im vergangenen Jahr im Raum Geislingen gehäuft hatten. Malchow betonte, dass es sich dabei im Jahr 2008 nur in einem Fall um eine politisch motivierte Straftat gehandelt habe. Vielmehr gerieten junge Menschen mit fehlenden Perspektiven aneinander. Dennoch müssten vermeintlich unpolitische Aktionen aus dem rechtsextremen Lager ernst genommen werden, äußerte sich Sascha Binder. Neueste Studien belegten, dass Jugendliche immer anfälliger für rechtsextremes Gedankengut würden.

Einig waren sich Malchow und Binder in der unzureichenden Ausstattung der Gerichte. Vor allem bei jungen Menschen fehle bei verzögerten Gerichtsverfahren der Bezug zur lange zurückliegenden Tat. „Wie soll sich ein Zeuge nach über einem Jahr noch detailliert zu einem Vorfall äußern können?“, äußerte sich Binder, der selbst momentan bei der Staatsanwaltschaft Ulm tätig ist, zur Überlastung der Gerichte.

Anhand von Schaubildern veranschaulichte Malchow kritische Entwicklungen bei der personellen und technischen Ausstattung des Geislinger Polizeireviers. Die Streichung von 800 Planstellen im Land und die Auflösung des Wirtschaftskontrolldienstes habe auch das Geislinger Polizeirevier vor enorme Personalprobleme gestellt. „Wir sind immer weniger Präventionspolizei, sondern werden mehr und mehr zur reinen Interventionspolizei.“, beschreibt Malchow die Entwicklung. Dies verhindere zunehmend ein positives subjektives Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger. Diese Entwicklung beurteilte auch SPD-Politiker Binder äußerst kritisch. Er wolle auch deshalb den Dialog zum „Freund und Helfer“ aufrecht erhalten.

 

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