AsF-Veranstaltung: In Würde sterben – Sterbehilfe in der Diskussion

Veröffentlicht am 10.10.2014 in Kreisverband

Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) im Kreis Göppingen hatte zur Podiumsdiskussion „In Würde sterben – Sterbehilfe in der Diskussion“ eingeladen. Es diskutierten die Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens MdB, die Leiterin des Hospiz Göppingen Marta Alfia, der Arzt Dr. Michael Grebner und Georg Kolb, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Hospiz Göppingen. Die Moderation hatte Pfarrerin Kathinka Korn.

Das vollbesetzte Eislinger Stadthallenfoyer zeigte, wie groß das Interesse an diesem Thema ist.

Wer wünscht sich nicht, in Würde zu sterben – möglichst schmerzfrei und selbstbestimmt. Wer unheilbar krank ist, bittet oftmals um Hilfe zum Sterben. Die derzeitige juristische Situation in Deutschland erläuterte Heike Baehrens. Suizid ist straffrei, nicht dagegen die Tötung auf Verlangen. Eine rechtliche Grauzone ist die Beihilfe zum Suizid. Während Ärzten Sterbebegleitung, Behandlungsbegrenzung und Leidenslinderung erlaubt ist, haben sie in manchen Bundesländern berufsrechtliche Sanktionen zu befürchten, wenn sie Beihilfe zur Selbsttötung leisten, also dem Patienten ein tödliches Medikament beschaffen. „Diese rechtlich uneinheitliche Situation muss beendet werden“, forderte Heike Baehrens. Deshalb wolle der Gesetzgeber einen Rahmen schaffen, der bundesweit regelt, ob es neben der Hilfe beim Sterben auch eine Hilfe zum Sterben geben darf. Und wenn, dann unter welchen Voraussetzungen. „Dabei geht es nicht nur um juristische und medizinische Fragen, sondern vor allem um ethische“, so Heike Baehrens. Bisher wurden drei verschiedene Vorschläge für eine Gesetzesinitiative im Deutschen Bundestag entwickelt:

a) Vorrang für Lebensschutz, d.h. das Strafrecht soll so eng wie möglich gestaltet werden,

b) Ablehnung kommerzialisierter, organisierter Sterbehilfe, z.B. in Form von Sterbehilfevereinen, es soll aber ein rechtlicher Schutzraum für Ausnahmefälle geschaffen werden, wo Menschen einen dauerhaften Sterbewunsch haben

c) Liberalisierung der Sterbehilfe und Zulassung von Sterbehilfevereinen.

Michael Grebner lehnt als Arzt Beihilfe zur Selbsttötung ab. „Der Sterbewunsch bei einer schweren Erkrankung entspringt oftmals einer Depression als Begleiterkrankung. Diese aber ist behandelbar“, betonte Michael Grebner. Es gelte, andere Maßstäbe an Lebensqualität anzulegen und den Blick fürs Schöne zu stärken. Marta Alfia versucht als Leiterin des Hospiz ihren Gästen die Angst zu nehmen – Angst vor Schmerzen, Angst vor Alleinsein, Angst vor dem Pflegeheim, Angst davor, den Angehörigen zur Last zu fallen. „Im Hospiz werden unsere Gäste und deren Angehörige nicht alleingelassen“, so das Credo von Marta Alfia. Für Georg Kolb ist das Leben das höchste Gut.

Die Redebeiträge aus dem Publikum zeigten, dass jeder/jede eine eigene, biographisch geprägte Sicht auf Leben und Sterben hat. Dass sich die Einstellung zur Sterbehilfe auch ändern könne, zeigte Pfarrerin Korn am Beispiel des Schriftstellers Walter Jens auf. Für die Eheleute Jens war stets klar, sich bei schwerer Krankheit gegenseitig zu helfen, aktiv aus dem Leben zu scheiden. Aber während seiner schweren  Demenzerkrankung äußerte Jens in einem lichten Moment „nicht totmachen“. „Der Bundestag wird sich Zeit nehmen, diese existenzielle Frage zu diskutieren. Eine Entscheidung wird nicht vor Herbst 2015 getroffen werden“, versprach Heike Baehrens. Weiterhin werde sie sich für eine kraftvolle Förderung der ambulanten und stationären palliativen Versorgung sowie der Pflege durch finanzielle Unterstützung und Wertschätzung einsetzen.

 

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