"Rechtsrock ist die Einstiegsdroge"

Veröffentlicht am 10.03.2008 in Arbeitsgemeinschaften

Stephan Braun: Rechtsextreme totschweigen, ist falsch. FOTO: Tim Zajontz

Vortrag über die Gefahr rechter Netzwerke

"Rechte Netzwerke - eine Gefahr", darüber referierte der SPD-Landtagsabgeordnete und Extremismus-Experte Stephan Braun jüngst in Geislingen.

Geislinger Zeitung

Geislingen. Knapp 40 Zuhörer konnte der neue SPD-Ortsvereinsvorsitzende Ludwig Duschek am Donnerstag im IG-Metall-Heim in Geislingen begrüßen. Duschek wies auf das sich häufende Auftreten der rechtsextremen Szene im Kreis Göppingen hin und warf die Frage auf, wie darauf reagiert werden müsse.

Darauf ging der Böblinger Landtagsabgeordnete Stephan Braun in seinem Vortrag "Rechte Netzwerke - eine Gefahr" ein. Er warnte vor einer Verharmlosung, Rechtsextremismus sei längst kein Randphänomen mehr, sondern bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen. Dies veranschaulichte Braun anhand des Netzwerkes von Albrecht Jebens, der als Mitbegründer des Studienzentrums Weikersheim intensive Kontakte zur rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik und zur Verlagsgruppe Grabert/Hohenrein unterhält. Gerade die gute Vernetzung der extremen Rechten - auch ins benachbarte Ausland - sowie ihr selbst erklärtes Ziel, vor allem "noch nicht gefestigte Schüler" zu gewinnen, seien alarmierend. Als die "gefährlichste Einstiegsdroge in die rechte Szene" erweist sich laut Braun der "Rechtsrock". Auch in Geislingen waren in der Vergangenheit "Schulhof-CDs" der NPD in Umlauf gebracht worden.

Eine besondere Gefahr sieht der studierte Politikwissenschaftler und Theologe Braun auch von der sogenannten "Neuen Rechten" ausgehen. Diese versuche rechtsextremes und faschistoides Gedankengut unterschwellig zu vermitteln und agiere als Brücke zwischen Rechtsextremismus und Konservatismus.

"Die Strategie, das Thema totzuschweigen, um den Rechten keine Bühne zu bieten, ist gescheitert", stellte Braun fest. Er forderte eine sachliche Auseinandersetzung, eine intensivere Demokratieerziehung in Schule und Gesellschaft sowie ein breites Bündnis gegen Extremismus. Entscheidend sei zudem eine gut ausgestattete Jugend- und Sozialarbeit, um Heranwachsende vor dem Einfluss von Neonazis zu schützen.

In dieses Horn stieß auch der Juso-Kreisvorsitzende Tim Zajontz: "Geislingen und der Landkreis Göppingen dürfen sich nicht als Treffpunkte der rechten Szene etablieren." Dies liege im Interesse aller demokratischen Kräfte.

In dieser Sache war man sich im IG-Metall-Heim auch in der anschließenden Diskussionsrunde einig.

 

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