Flächendeckende Kurzarbeit bei der WMF

Veröffentlicht am 01.04.2009 in Presseecho

In Geislingen bleiben ab Mai 1500 Beschäftigte an drei Arbeitstagen pro Monat zu Hause

Die WMF AG plant, an ihrem Standort in Geislingen flächendeckend Kurzarbeit einzuführen. Das betrifft ab Mai rund 1500 Arbeitnehmer.

RODERICH SCHMAUZ, Geislinger Zeitung

Geislingen. Auf der Betriebsversammlung gestern Vormittag in der Jahnhalle eröffnete der WMF-Vorstand der Belegschaft zwei Hiobsbotschaften: Die Tariferhöhung soll verspätet in Kraft treten. Und: Es ist flächendeckend Kurzarbeit geplant.

Das WMF-Management hat mit dem Betriebsrat bereits Verhandlungen aufgenommen, da ab Mai in Geislingen kurz gearbeitet werden soll. Fünf Monate lang sollen die Arbeitnehmer an drei Arbeitstagen zu Hause bleiben - sie erhalten über Kurzarbeitergeld teilweise einen Ausgleich für die Einkommensverluste.

Kurzarbeiten soll das Gros der Geislinger WMFler: 1500 Mitarbeiter in der gesamten Verwaltung, in der Produktion und im Vertriebsinnendienst. Ausgenommen bleiben Außendienst, Kundendienst und Service. Ebenfalls nicht tangiert sind nach Auskunft von WMF-Pressesprecher Thomas Dix die auf dem Betriebsgelände angesiedelten neuen WMF-Tochterunternehmen ProLog, ProMont und ProSys.

Schon bisher waren die Beschäftigten in der Besteckfertigung, in der die meisten Arbeitsplätze abgebaut werden, zu Kurzarbeit gezwungen, ebenso in Teilen der Kochgeschirrfertigung. Die neuerlichen drei Tage Kurzarbeit kommen bei ihnen zusätzlich dazu.

Außerdem strebt der WMF-Vorstand mit dem Betriebsrat des Werks in Geislingen eine freiwillige Vereinbarung an, wonach die Tariferhöhung im Metallbereich von 2,1 Prozent vom 1. Mai auf den 1. Dezember verschoben wird. Die Möglichkeit einer Zeitverschiebung um maximal sieben Monate hatten die Tarifpartner seinerzeit vorgesehen.

Vor allem auf diesen Vorstoß reagierten laut Dix in der zweieinhalbstündigen Betriebsversammlung etliche Beschäftigte mit Unmut und äußerten dazu ihren Widerspruch. Demgegenüber hätten aber auch viele Verständnis für die derzeit schwierige wirtschaftliche Lage gezeigt.

Nach den Worten Dix wird für die WMF die Wirtschaftskrise derzeit mit Umsatzeinbußen von durchschnittlich zehn Prozent spürbar. Für das vierte Quartal mit dem Weihnachtsgeschäft erwartet das Unternehmen wieder eine größere Nachfrage. Allen Rahmenbedingungen zum Trotz will der Vorstand den Umsatz auf dem Niveau des guten Geschäftsjahres 2008 halten. Sein mittelfristiges Ziel bleibt ein Umsatzwachstum von mindestens fünf Prozent pro Jahr.

In dieser angespannten Phase besichtigte der SPD-Kreisvorsitzende und Bundestagskandidat Sascha Binder auf Einladung des Betriebsrates die Kaffeemaschinenfertigung und die Besteckabteilung der WMF. Er habe "interessante und zugleich bedrückende Eindrücke" gewonnen, teilt er mit. Mit Bestürzung habe er zur Kenntnis genommen, dass ab Mai in allen Abteilungen kurz gearbeitet werden soll. Kurzarbeit sei dazu da, den Beschäftigten zu helfen, keinesfalls dazu, die Bilanzen aufzubessern, mahnt Binder. Er warnte zugleich vor Arbeitsplatzabbau und Entlassungen.

 

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