Binder zieht es nach Berlin

Veröffentlicht am 03.07.2008 in Presseecho

SPD-Kreischef will für Bundestag kandidieren - Walter Riester tritt 2009 ab

Der SPD-Kreisvorsitzende Sascha Binder (25) will für den Bundestag kandidieren. Walter Riester (64) tritt 2009 ab. Die Parteibasis entscheidet über die Kandidatur im September.

HELGE THIELE, Neue Württembergische Zeitung

Kreis Göppingen. Die Sozialdemokraten im Kreis wollen Sascha Binder am 26. September in der Göppinger Stadthalle zum Bundestagskandidaten küren. Der 25-jährige Diplom-Jurist aus Geislingen, der seit gut einem Jahr an der Spitze der Kreis-SPD steht, wurde vom Kreisvorstand am Dienstag einstimmig zur Nominierung vorgeschlagen.

Binder hat prominente Unterstützer: Als politischer Ziehvater gilt der Göppinger Bundestagsabgeordnete und frühere Bundesarbeitsminister Walter Riester, der im Juli 65 Jahre alt wird und im kommenden Jahr nicht mehr für den Bundestag kandidieren wird. Riester sagt über den 25-Jährigen: "Sascha war schon durch sein Engagement in der Jugend- und Vereinsarbeit in Geislingen aufgefallen. Er hat sich das Vertrauen der Menschen erarbeitet. Die SPD hat nach einem Kandidaten aus der Region gesucht." Und ihn mit Binder rasch gefunden.

Dabei ist der rhetorisch versierte Geislinger, der im Herbst sein Rechtsreferendariat am Landgericht Ulm beginnt, längst nicht nur ein Hoffnungsträger der Kreis-SPD. Auch landesweit soll Binder in Stellung gebracht werden. In Gesprächen mit der Landes-SPD soll erreicht werden, dass der Kandidat aus dem Wahlkreis Göppingen auf der Landesliste einen guten Platz erhält. Bei der Bundestagswahl 2005 waren 23 Genossen über die Landesliste in den Bundestag eingezogen.

Walter Riester, der das Direktmandat bei den letzten beiden Wahlen jeweils dem Christdemokraten Klaus Riegert überlassen musste, löste 2002 - ausgestattet mit dem Ministerbonus - über Platz vier und drei Jahre später über Platz zehn der Landesliste sein Ticket nach Berlin. Nun soll der Übergang von Riester zu Binder den angestrebten parteiinternen Generationswechsel markieren. "Die SPD hat die Chance, über die Person Binder hinaus ein Signal zu setzen", sagt Riester. Der 64-jährige Arbeitsmarkt- und Sozialexperte spricht von einem "unkonventionellen Angebot" an den Wähler, da mit Binder jemand ins Rennen gehe, "der sich nicht durch alle Parteigremien gehechelt hat."

Binder will dennoch versuchen, Klaus Riegert den Wahlkreis abzujagen: "Ich bin nicht bekannt dafür, geduckt durch die Gegend zu laufen." Als Student sei er als Taxifahrer unterwegs gewesen und habe in Gesprächen mit Fahrgästen gemerkt, wie weit sich viele Menschen von der Politik entfernt haben. "Ich will dazu beitragen, das verloren gegangene Vertrauen wieder herzustellen", sagt Binder.

Einer Koalition mit der Linken auf Bundesebene erklärt der SPD-Kreischef eine klare Absage. Dafür sei die Linkspartei nicht reif. Sascha Binder: "Das sage ich vor und nach der Wahl."

 

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