Rote Fahnen und Salzgebäck

Veröffentlicht am 02.05.2008 in Kreisverband

Gleichstellung und sichere Arbeitspl. - das waren nur 2 Forderungen bei der DGB-Kundgebung auf dem Schillerpl. FOTO: gia

Maikundgebung in Göppingen: Ruf nach Lohnzuwächsen und Mindestlohn

Am Tag der Arbeit hat der DGB seine traditionelle Maikundgebung auf dem Göppinger Schillerplatz veranstaltet. Unter dem Motto "Gute Arbeit muss drin sein" forderten die Redner Lohnzuwächse.

URSULA BÖTTCHER, Neue Württembergische Zeitung

Göppingen. Fetzige Klänge aus den Sechzigern und Siebzigern hallten durch die Göppinger Innenstadt. Auf dem Schillerplatz selbst mussten sie sich mitunter gegen den dichten Stimmenteppich der 300 Teilnehmer behaupten, die trotz der doppelten Konkurrenz von Himmelfahrt und Vatertag zur traditionellen Maikundgebung gekommen waren. Zeitungen und Flyer wurden verteilt, man vertiefte sich darin, schlenderte herum, grüßte Bekannte, blieb zusammen stehen, hielt einen Schwatz.

Das Wetter zeigte sich einsichtig. Die roten und weißen Luftballons, die die Gewerkschaft Bergbau Chemie Energie verteilte, schwebten einem fernen Ziel zu. Felix Müller vom "Netzwerk Arbeitswelt" verteilte Gebäck in S-Form. Entgegen dem ersten Eindruck war es nicht süß, sondern salzig. "Wie die Arbeit auch", meinte er.

Banner und Tafeln wurden in die Höhe gehalten, Kinder schwenkten Fahnen. Einer stemmte die Fahne der italienischen Kommunisten in die Luft, ein anderer hatte eine mit dem Bild Che Guevaras zum Umhang umfunktioniert. Ein paar Jugendliche hatten sich Plakate umgehängt. Der elfjährige Deniz forderte "Ausbildungsplätze für jeden Jugendlichen". Der Hauptschüler aus Göppingen weiß, dass auch er es einmal nicht einfach haben wird.

Politiker aus dem eher linken Spektrum waren gekommen, natürlich gestandene Gewerkschafter und sehr viele Arbeitnehmer mit türkischem Hintergrund. Für Karl Müller aus Süßen ist die Teilnahme an der Maikundgebung eine "Tradition". Die Solidarität, die sich da zeige, ist ihm wichtig: "Es ist ein Feiertag auf der ganzen Welt." Auch für Albert Rauschenberg aus Süßen ist die Veranstaltung seit der Jugend eine Pflicht. "Auch guter Lohn" ergänzt er das diesjährige Motto: "Gute Arbeit muss drin sein". Unübersehbar prangte es auf dem Banner über dem Rednerpult. Doch bevor Jürgen Peters, Vertrauenskörperleiter bei der WMF in Geislingen, das Motto präzisierte, erinnerte der Gewerkschafter zunächst an die Zerschlagung der Arbeiterbewegung durch die Nationalsozialisten, die heute vor 75 Jahren begann. Seine Bemerkungen über Managergehälter provozierten laute Pfiffe in Publikum - in der Kritik an den Millionengehältern waren sich alle einig. In einem Rundumschlag streifte Peters außerdem die Themen Bankenkrise, Mindestlohn und Leiharbeiter, die für ihn "die Sklaven des 21. Jahrhunderts" sind.

Manuel Schäfer, politischer Sekretär der IG-Metall im Kreis, ging auf kürzliche oder laufende Tarifverhandlungen ein und forderte eine Abgabe derjenigen Betriebe, die nicht ausbilden und eine Reform des Schulsystems. Schäfer versah das Thema Nationalsozialismus mit einer aktuellen Note, erinnerte an die jüngsten Märsche und Konzerte und schloss: "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen."

Bilder von der 1. Mai-Kundgebung:


Der Geislinger SPD-Ortvereinsvorsitzende Ludwig Duschek (rechts) zusammen mit Sascha Binder (3. v. rechts)

 

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